heterotopie

Die Heterotopie der Doppelbelichtung

Der Text „Die Heterotopie der Doppelbelichtung“, wurde zuerst im Online-Fotomagazin kwerfeldein veröffentlicht. Der Artikel hatte eine Kontroverse um guten vs. schlechten Geschmack, Zufall und Willkür, Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit von „Kunst“ etc. provoziert. Hier nochmal zum nachlesen:

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Der Mensch irrt umher. „Er rennt und rast, taumelt und tanzt durch Gänge, Tunnels, Keller, Höhlen, Kreuzwege, Abgründe, Blitze und Donner“. Er sucht „nicht nur eine andere Art die Welt zu betrachten, sondern auch eine andere Art mich ihr gegenüber zu situieren“ schreibt Michel Foucault in „Der Ariadnefaden ist gerissen“. Dabei stellt sich die Frage wie der Raum, die Welt, in der ich mich bewege, erkannt und rekonstruiert werden kann.

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Foucaults Begriff der Heterotopie ist eine Möglichkeit, die Welt in der wir leben, die Räume, in denen wir uns bewegen, zu verstehen. Heterotopie bedeutet so viel wie „der andere (hetero) Ort (topos)“.

Foucault definiert Heterotopien als „wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplatzierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können“.

Das bedeutet einerseits, dass Heterotopien nicht als reale Orte existieren bzw. dass Heterotopien Orte sind, die sich nicht an ihren üblichen Plätzen befinden. Dieser Ort oder Raum kann unwirklich sein, zu einer anderen Zeit existieren, eine Täuschung des Realen sein.

Anderseits können sie aber auch Wunschvorstellungen sein oder einen Raum darstellen, der körperlich nicht zugängig ist, weil er andere Koordinaten und Dimensionen besitzt.

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Für Foucault bringt uns die Betrachtung von Heterotopien zu den Idealbildern einer Gesellschaft, sie zeigt uns die ordnungssystematischen Bedeutungen des Raumes, der Kultur bzw. der Einschließungsmilieus auf.

Zum Beispiel stellt für Foucault das Schiff eine typische Heterotopie dar. Die Idealisierung dieses Ortes ermöglichte ihm eine Analogie der Art und Weise zu beschreiben wie wir regiert und diszipliniert werden bzw. wie wir uns selbst regieren und disziplinieren.

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Denn „der Raum, in dem wir leben, durch den wir aus uns herausgezogen werden, in dem sich die Erosion unseres Lebens, unserer Zeit und unserer Geschichte abspielt, dieser Raum, der uns zernagt und auswäscht, ist selber auch ein heterogener Raum“, schreibt Foucault.

In der symbolischen Ordnung der Räume, in denen wir uns bewegen oder die wir betrachten, drückt sich ein Ensemble von Gegensatzpaaren wie breit/schmal, groß/klein, weit/nah, Ich/Du etc. als Wahrnehmungskategorien aus.

Durch die eigene Wahrnehmung, entweder hier oder dort zu sein, entstehen Ausschlussmechanismen und identitäre Selbstplatzierungen. Das heißt, durch die Selbstbetrachtung, durch die Spiegelung des eigenen Standpunktes verfestigen sich Differenzen. Man bewegt sich in Relation zum anderen, die Wahrnehmung funktioniert nach einer bestimmten vorgegebenen Ordnungssystematik.

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Die Doppelbelichtung, die Superposition ist ein Werkzeug zur Darstellung einer Wunschvorstellung, einer Illusion, eines Ordnungs- und Disziplinierungssystems bzw. einer Heterotopie. Sie ermöglicht die Rekonstruktion des Raumes in dem wir uns bewegen, tanzen oder taumeln.

Sie durchbricht die selbstverständlichen Wahrnehmungsmuster, verunsichert unseren Blick und bringt unser Urteil über „die Realität“ durcheinander. Sie erschafft eine andere Wirklichkeit, indem eine Täuschung des Realen simuliert wird und dadurch das Reale gleichzeitig noch irrealer erscheint.

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Sie verbindet Mikro- und Makrokosmos, Vergangenheit und Gegenwart, Mensch und Maschine, Stadt und Land und löst dabei die binäre Logik auf. Die Relativität von allem wird belichtet.

Je nach der technischen Gebrauchsweise kann eine Doppelbelichtung zufällig entstehen. Das heißt, durch eine Verschiebung des Raum-Zeit-Kontinuums zwischen erstem und zweitem Bild bezieht die Doppelbelichtung den Zufall, die Ungleichzeitigkeit, die Nicht-Simultanität, den Moment der Begegnung mit ein.

Wobei auch jede Begegnung auch nicht hätte „stattfinden können, auch wenn sie stattgefunden hat. Ihr mögliches Nichts erhellt die Bedeutung ihres zufälligen Wesens.

Und jede Begegnung ist zufällig in ihren Effekten, insofern nichts in den Elementen der Begegnung, vor der Begegnung selbst, die Konturen und Bestimmungen des Wesens abzeichnet, das daraus hervorgehen wird“, schreibt Louis Althusser.

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Durch die Belichtung der Relativität, die Darstellung des Zufalls, die nichtlineare Sichtweise, durch die Superposition der Doppelbelichtung treten Vielheiten auf, die untereinander kommunizieren und sich miteinander verdinglichen. Räume können sich überlagern. Das eine Bild kann in das andere, in die Differenz wechseln, sich vermitteln.

Es entstehen Schichten und jede geschichtete Ebene der Doppelbelichtung ist von unterschiedlichen und vielfältigen Punkten aus verbunden. Die Elemente des Bildes bekommen keine eindeutige Bedeutung, keine festen Rollen und keinen festen Sinn mehr.

Straßen, Wohnhäuser, Fabriken, Alltagssituationen erlangen so eine andere Realität. Ihre alltägliche Funktion und Ordnung wird außer Kraft gesetzt.

Die Doppelbelichtung ermöglicht uns als BetrachterInnen, die vorhersehbaren Pfade in den realen Orten zu verlassen und die Illusionen des Realen zu spiegeln. Durch eine experimentelle Aneignung der „Realität“ können weitere Wahrnehmungskategorien der Befindlichkeit angelegt werden, welche die eigene Wirklichkeit zerlegen, entwerten, entäußern.

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Die Doppelbelichtung ermöglicht es uns zu überlegen, wie die eigene Stellung zum inneren und zum äußeren Raum verläuft. Heterotopes Denken bzw. eine sozialkritische Gebrauchsweise der Fotografie macht Gegenorte sichtbar. Sie schafft alternative Orte im Alltagsverstand, weil sich dem Alltagsverstand die Bedeutung des Alltäglichen, des „Normalen“ oftmals verstellt.

Literatur:
Althusser, Louis 2010: Materialismus der Begegnung, Zürich-Berlin
Collmer, Thomas 2009: Cut-Up und Dialektik, Wenzendorf
Foucault, Michel 1990: Andere Räume/Der Ariadnefaden ist gerissen. In: Aisthesis. Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik, Leipzig

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Kommentar:

Wer nicht genau weiß, wie Doppelbelichtungen entstehen, kann gerne in diesem http://kwerfeldein.de/2011/10/17/doppelbelichtungen-mit-konzept/ auf kwerfeldein erschienenen Artikel mehr über die Technik und die Machart der Doppelbelichtung erfahren und sich entscheiden, wie zufällig bzw. willkürlich eine Doppelbelichtung ist oder nicht.

Die Frage ob Systeme, Gesellschaften, Gedanken ihre Entwicklung und Verknüpfung oder Begegnungen zufällig sind oder einer Kausalität, einem Gesetz unterliegen, ist – in Natur- und Geisteswissenschaften, durch z.B. Experimente und deren Interpretation – eine oftmals gestellte und umstrittene Frage (z.B. dialektischer Materialismus vs. aleatorischer Materialismus), die sich nur relativ beantworten lässt. Die Relativität erkenntnistheoretischer Annahmen ist auch ein Ausgangspunkt dieses Textes und bezieht sich implizit auf die Diskurstheorie von Foucault, die davon ausgeht, dass absolute Wahrheiten (wie „Mein Geschmack ist der Richtige“, „Was du sagst ist nicht richtig“ etc. ) gewissermaßen ideologisch sind, nur durch die selektive Verwendung von Wissen zustande kommen, dadurch gesellschaftliche Ausschließungsmechanismen (sich lustig machen, abwerten, diffamieren etc.) produzieren und letztlich Macht/Wissen Hierarchien etablieren.

W.S. Burroughs hat die Thematik auf den Punkt gebracht:

W.S.B.: „[…] Das Wort ist natürlich eines der mächtigsten Kontrollinstrumente, wie sich das die Zeitungen zunutze machen – und dasselbe gilt für Bilder; die beiden Dinge gehören zusammen, […]. Wenn man sie nun zerschneidet und neu anordnet, zerstört man das Kontrollsystem.[…]“

D.O.: „Ist die Fähigkeit zu ‚zu sehen, was vor uns liegt‘, eine Möglichkeit, dem Bildergefängnis, das uns umgibt zu entkommen?“

W.S.B.: „Ganz sicher, ja. […] schon allein wegen des absoluten Sperrfeuers von Bildern dem wir ausgesetzt sind, so dass wir abgestumpft werden; […] Wenn man aber mit Bildern absolut bombardiert wird, mit Bildern von vorbeifahrenden Lastwagen, Autos und Fernsehen und Zeitungen, dann wird man abgestumpft, man hat bald einen ständigen Schleier vor Augen und sieht nichts mehr. […] [Die Montage von Bildern führt dazu], die Kontrollinstrumente zu brechen, und das sind Wort und Bild, und sie bis zu einem gewissen Grad zu vernichten.“

Aus: Der Job. Interviews mit W.S. Burroughs von Daniel Odier, 1973, Köln, S. 17ff

Wer an einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Nichtlinearität interessiert ist, dem sei zum Abschluss noch das von Thomas Wulffen herausgegebene Heft „Der Gerissene Faden“ des Kunstforums International empfohlen. Darin findet eine Auseinandersetzung mit nichtlinearen Techniken in der Kunst statt. Künsterler_innen und Autor_innen unternehmen dabei in Auseinandersetzung mit dem Begriff der „Nichtlinearität“ den Versuch Vielheiten von Kunstformen, Denk- bzw. Sichtweisen und verschiedene Paradigmen und Konzepte nichtlinearer Wissenschaften darzustellen.

// Einschließungsmilieus // TRAKT 10

Ergebnis der jeweiligen Einschließungsmilieus ist die Erzeugung von gehorsamen Individuen. Mit dem erfolgreichen Durchschreiten eines Einschließungsmilieus sind wir mit Benimmregeln ausgestattet und werden in den öffentlichen Raum entlassen. Dort befinden sich „nicht nur die Cops“, sondern „die Geometrie“ (Raoul Vaneigem), die Kollektivsymbole, die Strukturen, die uns die Wege vorgeben, uns zur Schule, zur Arbeit, zum Sportverein bringen bzw. zum nächsten Einschließungsmilieu. Nehmen wir die für uns vorgesehenen Rollen nicht an, verhalten wir uns anders, droht Krankheit, Gefängnis, Tod. „Man braucht keine Science-Fiction, um sich einen Kontrollmechanismus vorzustellen, der in jedem Moment die Position eines Elements in einem offenen Milieu angibt, Tier in einem Reservat, Mensch in einem Unternehmen (elektronisches Halsband). Félix Guattari malte sich eine Stadt aus, in der jeder seine Wohnung, seine Straße, sein Viertel dank seiner elektronischen (dividuellen) Karte verlassen kann, durch die diese oder jene Schranke sich öffnet; aber die Karte könnte auch an einem bestimmten Tag oder für bestimmte Stunden ungültig sein; was zählt, ist nicht die Barriere, sondern der Computer, der die – erlaubte oder unerlaubte – Position jedes einzelnen erfasst und eine universelle Modulation durchführt. […] Allerdings hat der Kapitalismus als Konstante beibehalten, dass drei Viertel der Menschheit in äußerstem Elend leben: zu arm zur Verschuldung und zu zahlreich zur Einsperrung“, schreibt Gilles Deleuze in seinem „Postskriptum über die Kontrollgesellschaften“.

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// Einschließungsmilieus // TRAKT 9

…der Friedhof hält eine sonderbare Ordnungssystematik bereit. Er führt dazu, „dem sterblichen Rest viel mehr Aufmerksamkeit schenken, der schließlich die einzige Spur unserer Existenz inmitten der Welt und der Worte ist“, weil „es sind die Toten, so unterstellt man, die den Lebenden die Krankheiten bringen, und es ist die Gegenwart, die Nähe der Toten gleich neben den Häusern, gleich neben der Kirche, fast mitten auf der Straße, es ist diese Nähe, die den Tod selber verbreitet“ (M. Foucault).

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// Einschließungsmilieus // TRAKT 8

Die Architektur des postfordistischen Unternehmen ist auch auf das Sehen und Gesehen werden ausgerichtet. Die ersten 1958 entstandenen Großraumbüros in der BRD, bei der Firma Boehringer in Mannheim, sollten Ausdruck der zwischenmenschlichen Beziehungen sein: Architektonisch wurden Trennwände beseitigt, um den Raum zu öffnen, damit die vorherrschenden Kommunikations- und Hierarchieprobleme unsichtbar werden. Das in Boxen oder Teilbereiche aufgegliederte Großraumbüro ermöglichte einerseits die gegenseitige Beobachtung, die Kommentierung der Arbeit anderer und setzte andererseits die Isolierung der Einzelsubjekte in ihrem Bereich um. Die Architektur ermöglicht so die Sichtbarkeit in alle Richtungen. Die Beurteiler_Innen bleiben unsichtbar und an die Stelle eines allsehenden Überwachers, tritt ein demokratisches, nicht-hierarchisches Modell gegenseitiger Sichtbarkeit, „bei dem jeder zugleich Beobachter aller anderen und der von allen anderen Beobachtete ist“, schreibt Ulrich Bröckling.

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// Einschließungsmilieus // TRAKT 7

In den Einschließungsmilieus besteht das Prinzip des gegenseitigen Überwachens – Das Prinzip; Subjekte des Sehens und Objekte des Gesehen-Werdens zu trennen. Die Architektur in den Einschließungsmilieus schafft hierbei allzu oft eine Situation der Vereinzelung – der Lehrer, der Vorarbeiter der uns über die Schulter schaut, die Professoren oder Pfarrer die im Hörsaal oder von der Kanzel aus uns mit Blicken maßregeln oder die Gefängniswärter die jederzeit freie Sicht in die Einschließungsmilieus haben, ohne dabei gesehen zu werden. Aber auch im öffentlichen Raum sind wir der ständigen Überwachung ausgesetzt. Durch den permanenten Beobachtungszustand setzt automatisch die Selbstmaßregelung ein – „verhalte ich mich richtig, beachte ich alle Regeln….?“ So entsteht ein internalisierter Zustand der Selbstüberwachung. Es ist nicht mehr wichtig ob die Überwachung tatsächlich stattfindet, es reicht die Vorstellung der Überwachung. Durch dieses Prinzip können auch die Sehenden zu Gesehenen werden. Es einsteht eine Gesellschaft überwachter Überwacher_innen und abweichendes Verhalten wird sanktioniert. Strafbar ist dabei „alles, was nicht konform ist“ und die Sanktionen wirken „normend, normierend, normalisierend“ wie Foucault in Überwachen und Strafen schreibt.

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// Einschließungsmilieus // TRAKT 6

Die Fabrik ist ein weiteres Beispiel für ein Einschließungsmilieu: „Die technische Unterordnung des Arbeiters unter den gleichförmigen Gang des Arbeitsmittels und die eigentümliche Zusammensetzung des Arbeitskörpers aus Individuen beider Geschlechter und verschiedenster Altersstufen schaffen eine kasernenmäßige Disziplin, die sich zum vollständigen Fabrikregime ausbildet“, schreibt Karl Marx im Kapital. Die industrielle Massenerzeugung von bezahlbaren Konsumgütern basiert auf der rationellsten Nutzung menschlicher Arbeitskraft. Dazu wird der Körper in der Fabrik an die Maschine oder an das Fließband angepasst. Diese Arbeitsorganisation auf der Grundlage der Erhöhung der Arbeitsproduktivität bzw. der rationellsten Nutzung der Arbeitskraft, geht auf die Studien des US-amerikanischen Ingenieurs F.W. Taylor (1856-1915) zurück. Taylor verstand die Gliederbewegungen beim Arbeiten als mechanische Vorgänge, die an die Gesetze der Mechanik angepasst werden sollten. Dazu müssen die spezifischen Tätigkeiten der Arbeit in einzelne Handlungen zerlegt werden, damit die rationellste Ausführung ermittelt werden kann, um so den Angestellten in der Fabrik, durch die vorgegebenen Intervalle im Bewegungsrhythmus des Fließbandes, eine mechanisierte Arbeitsverrichtung anzutrainieren. Im Klartext heißt das, dass die Körper an die Maschinen geschaltet werden und die Disziplinierung durch die Geschwindigkeit der Maschine verrichtet wird.

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// Einschließungsmilieus // TRAKT 5

In vormodernen Zeiten mussten „Irre“, „Verrückte“, „Wahnsinnige“ vor den Stadtmauern rumlungern, sie wurden abgesondert, auf „Narrenschiffen“ weggebracht und ausgesetzt oder sie mussten Widerrufen und das Gegenteil behaupten, wenn sie nicht aus den Institutionen der Wissenschaft oder Religion ausgeschlossen werden wollten. Durch Verbote existierten Prozeduren des Ausschlusses von bestimmten Wahrheiten. Heute produziert jeder Ausschluss einen Einschluss. Auch heute gibt es noch die Grenze zwischen dem Vernünftigen und dem Unvernünftigen, zwischen den „Wahnsinnigen“, die entmündigt werden müssen und den „Vernünftigen“, welche die Träger der herrschenden Kultur sind. Nur mit dem Unterschied, dass die „Wahnsinnigen“ eingesperrt werden – in Erziehungsheime, Knäste oder Psychiatrien –, weil sie gegen Normen, Vorschriften oder Gesetze verstoßen, weil ihre Wahrheit keinen Wert hat. Die Konstruktion des Gegensatzes von wahr und falsch wird auf der Grundlage des je vorherrschenden politischen, philosophischen, religiösen oder wissenschaftlichen Wahrheitsgehalts erzwungen, damit aus „Wahnsinnigen“ resozialisierte Mitglieder der Gesellschaft werden. So wird der Ausschluss zum Einschluss, zum „Würgegriff der herzlichen Umarmung“ oder zur Isolationshaft mit anschließender Sicherheitsverwahrung wie bei Thomas Mayer-Falk.

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// Einschließungsmilieus // TRAKT 4

In den Einschließungsmilieus herrscht eine je eigene Ordnungssystematik, ein je eigener Zeitplan, ein je eigenes Spektakel. Durch die Übertragungsmacht der Disziplinierungsmaßnahmen entsteht eine Anpassung an die bestehende Ordnung sowie Selbstkontrolle und Selbstbeherrschung. Die Zeitplanungen innerhalb der Einschlussmilieus – z.B. Mittagessen oder Schichtplan –, die Festsetzungen von Rhythmen oder Ritualen – z.B. erst Hände waschen; dann essen, exerzieren, gute Nacht Kuss –, die Regelungen der Wiederholungszyklen – (z.B. 9-17 Uhr, Mo-Fr) – und der Zwang zur Verrichtung spezieller Handlungen – z.B. Fließbandarbeit, Gebet –, stellen eine systematische Minimierung der freien Zeit innerhalb von Einschließungsmilieus her. Die zeitliche Zerlegung von Handlungen verzahnt „Körper/Waffe, Körper/Instrument, Körper/Maschine“ (Michel Foucault). Wir verschalten uns mit einer Idee, dem Produktions- oder Reproduktionsapparat, mit Institutionen bzw. mit dem Einschließungsmilieu. Wir werden zur Familie, zu Lohnarbeiter_innen, zu Christ_innen oder Soldat_innen.

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// Einschließungsmilieus // TRAKT 3

Die Benimmregeln innerhalb der Einschließungsmilieus dienen zur Orientierung innerhalb der Gesellschaft und ermöglichen uns innerhalb dieser einen Platz zu suchen bzw. weisen uns einen Platz zu. Das heißt, wir befolgen nicht einfach ein paar Regeln, sondern verkörpern diese Regeln im unserem Tun. In diesen „Handlungsritualen“ (Judith Butler) stellen wir über die ritualisierte Festlegung von Tätigkeiten, Gesten und Bewegungen sowie durch Wiederholungszyklen und Zeitplänen eine genaue Codierung unseres Verhaltens her. Mittels der Durchsetzung des zur Routine werdenden Verhaltens, disziplinieren und überwachen wir uns selbst in unseren Einschlussmilieus – durch das Abfragen des richtigen Wissens, Zeigen der richtigen Moral, durch Tests oder Sanktionen wie Mobbing, Triggern, Liebes- oder Freiheitsentzug. Wir kontrollieren uns gegenseitig, weil das jeweilige Einschließungsmilieu mit einer ordnungssystematischen „Übertragungsmacht“ (Deleuze) ausgestattet ist und dadurch werden wir zu freiwilligen Helfer_innen unseres eigenen Einschlusses.

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// Einschließungsmilieus // TRAKT 2

Jedes Individuum das ein Einschließungsmilieu durchläuft bzw. „jede Gruppe, die unterwegs ‚fällt’“, wie Althusser schreibt, „ist praktisch mit einer Ideologie versehen, die ihrer Rolle in der Klassengesellschaft entspricht.“ Das heißt: „der Rolle des Ausgebeuteten (mit stark ‚entwickeltem’ ‚professionellem’, ‚moralischem’, ‚staatsbürgerlichem’, ‚nationalem’ und unpolitischem Bewusstsein); der Rolle des Agenten der Ausbeutung (Fähigkeit zu befehlen und zu Arbeitern zu sprechen: die ‚menschlichen Beziehungen’), der Rolle des Agenten der Unterdrückung (Fähigkeit zu befehlen und sich ‚ohne Diskussion’ Gehorsam zu verschaffen oder mit der Demagogie der Rhetorik von politischen Führern vorzugehen) oder der Berufsideologen (in der Lage, die Gehirne mit dem notwendigen Respekt, d. h. der entsprechenden Verachtung, Nötigung und Demagogie zu behandeln, die den Akzenten der Moral, der Tugend, der ‚Transzendenz’, der Nation, […] usw.) angepasst sind.“

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// Einschließungsmilieus // TRAKT 1

Heterotopien bringen uns zu den anderen Orten, den Idealbildern einer Gesellschaft, zeigen uns die ordnungssystematischen Bedeutungen des Gefängnisses, des Krankenhauses, des Einfamilienhauses, der Einschließungsmilieus. In „Einschließungsmilieus“ (Gilles Deleuze) der Gesellschaft wie Familie, WG, Kindergarten, Schule, Fabrik, Universität, Büro oder Psychiatrie aber auch in Beziehungen oder im öffentlichen Raum werden uns Regeln beigebracht: „Regeln der Einhaltung der gesellschaftlich-technischen Arbeitsteilung und letztlich Regeln der durch die Klassenherrschaft etablierten Ordnung“ (Louis Althusser). Jedes Individuum, das von einem Einschließungsmilieu zum nächsten weitergereicht wird bzw. das aus einem dieser Einschließungsmilieus ausscheidet, ist mit einer zweckmäßigen Ideologie ausgestattet, welche der Rolle als Junge oder Mädchen, als Mutter und Hausfrau, Vater und Ehemann, als Lohnarbeiterin und Lohnarbeiter oder als Staatsbürger_in etc. entspricht – sofern wir diese Rollen für uns annehmen.

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//Heterotopie als Nichtlinearität //Knoten#5

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Durch die nichtlineare Sichtweise, durch die Superposition, durch die Doppelbelichtung können Vielschichtigkeiten zu Vorschein treten, welche untereinander korrespondieren und sich miteinander ausdrücken. Jede Schichtung, jede ge-schichtete Ebene ist somit eine Struktur von Strukturen und die Heterotopie ist von unterschiedlichen und vielfältigen Punkten verbunden und mit Linien durchzogen, welche nicht die gleiche Ausgangsbasis und das gleiche Ziel haben.

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Als überdeterminiert bestimmt sich die Heterotopie, wenn ihre Elemente oder Ebenen nicht auf eine einfache Ursache zurückzuführen sind oder eine eindeutige Bedeutung haben, sondern sich diese Elemente oder Ebenen aus mehreren Stellungen oder Bezugsorten herstellen und sich gegenseitig beeinflussen. Der Begriff Überdetermination stellt somit einen Knotenpunkt dar, durch den die Heterotopie in ihrer Komplexität erfassbar wird. Die Bestimmung einer Heterotopie ist nicht einfach oder ableitbar, sondern vielschichtig bzw. überdeterminiert. Die Kategorien innerhalb dieser haben durch die Überdeterminierung keine festen Rollen und keinen festen Sinn mehr. Die Heterotopie wird dadurch nicht beliebig, sondern ist in ihrem Kern „komplex-strukturell-ungleichmäßig-determiniert“ wie Louis Althusser sagen würde.

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//Heterotopie als Nichtlinearität //Knoten#4

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Ein nichtlineares System besitzt ein Gedächtnis, einen Faden, wodurch das System bzw. das Labyrinth nicht von seiner unmittelbaren Form allein bestimmt ist. Faden und Labyrinth sind überdeterminiert. Ebenso wie die Betrachtung der Heterotopie.

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„Wie viele Wege führen aus dem Labyrinth oder ist es nur einer? Die Beantwortung dieser Frage legt den Komplexitätsgrad des Labyrinthes fest. Eine Antwort ist aber nicht zu finden. Im mythischen Urgrund der Nichtlinearität aber ist von vornherein eine Abhängigkeit zwischen scheinbaren Gegensätzen formuliert: Das Labyrinth bedarf des Fadens der Ariadne, um dessen Dimensionen zu ermessen. Ariadne bedarf des Labyrinthes, um mit dessen Hilfe Theseus dem Faden seine Bedeutung zu geben. Was passiert wenn der Faden gerissen ist?“ (Thomas Wulffen)

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Kann aus dem Gedächtnis eine Karte, ein Plan mit Fluchtlinien entworfen werden? Wenn Gilles Deleuze sagt, dass ein Leben aus Linien bestehen würde und das Objekt einer wirklichen Analyse es sei, eben die Kartographie des Lebens zu erstellen, dann „beginnen die Dinge erst ab dem Moment, da man abstrakte Linien mit entsprechenden Segmentaritäten – den Schnitten, Rissen und Brüchen – zieht.“

//Heterotopie als Nichtlinearität //Knoten#3

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„…wir befinden uns in einer dritten Zeit, der Zeit der Negentropie, die dem entropischen Vektor entgegengerichtet ist. Unterschiede treten hervor, Erfindungen, Entdeckungen, das Neue etc. Während sich die klassische Zeit auf die Geometrie und Metrik bezieht, keineswegs auf den Raum, ist die Theorie der Zeit von Serres, unsere Zeit, eine zerknitterte Zeit; zerknitterte Mannigfaltigkeiten, die sich unmittelbar durch die Topologie, die Wissenschaft der Risse und Nachbarschaften darstellen lassen. Alle Zeiten sind relativ zu einem System bzw. zu Systemen sehen, die offen oder geschlossen sein können, und mit ihnen verknoten und verteilen sich die Zeiten; es sind Komplexionen, ähnlich, wie entfernte Punkte in einem Taschenbuch, das gefaltet bzw. zerknittert wird, plötzlich sehr nahe sind oder zwei sehr nahe Punkte, wenn man das Taschentuch auseinanderreisst, sich sehr weit voneinander entfernen können“ (Achim Szepanski).

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Die gefaltete Zeit lässt sich durch die analoge Doppelbelichtung verstehen. Sie zeigt nichtlineare Heterotopien aber auch ganz reale Räume die in linearer Abfolge aufeinander treffen. Das eine Bild kann in das Andere wechseln, sich vermitteln, und die Heterotopie entsteht durch Nichtsimultanität, durch Nichtlinearität. Dabei ist die Heterotopie nicht reversibel und nicht reduzierbar auf den Raum.

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Die Heterotopie ist ein nichtlinearer Zwischenraum. Die Heterotopie ist ein Echo aus der Zukunft.

//Heterotopie als Nichtlinearität //Knoten#2

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„Man ist innen/ dann draußen, was man innen war/ Man fühlt Leere/ weil nichts in einem ist/ Man versucht in sich zu gehen/ in dem das Innen vom Außen – das man einst innen war – wenn man versucht sich in das zu versetzten, was man außen ist: fressen und gefressen werden/das Außen innen haben/ und im Außen sein“

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„Aber nicht genug damit. Man versucht das Innen dessen was man außen ist nach innen zu bringen, und in das Außen zu gelangen. Aber man gelangt nicht in das Außen indem man das Außen nach innen bringt/ denn/ obwohl man ganz innen im Innen des Außen ist/ ist man außen auf seinem eigenen Innen/ und indem man in das Außen gelangt/ bleibt man leer, denn/ während man innen ist/ ist sogar das Innen des Außen außen/ und in einem selbst ist immer noch nichts/ da ist niemals was gewesen und wird niemals sein“

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Der Psychiater Ronald D. Laing versucht mit diesen Sätzen einige der von ihm erkannten Systemen menschlicher Abhängigkeiten zu klassifizieren. Um sie zu benennen drängen sich für ihn Begriffe auf wie: „Knoten, Verflechtungen, Schnittpunkte, Sackgassen, Sprünge, Wirbel, Bindungen.“

//Heterotopie als Nichtlinearität //Knoten#1

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Wie schon beschrieben, treffen im heterotopischen Raum ungleichzeitig stattfindende aber gleichzeitig vermittelte Dimensionen aufeinander. Für Foucault besteht die Heterotopie darin, entweder einen Illusionsraum zu schaffen, der den gesamten Realraum, alle Plazierungen, in die das menschliche Leben eingesperrt sind, als noch illusorischer zu denunzieren oder einen Raum zu schaffen, der so vollkommen, so sorgfältig, so wohlgeordnet ist, dass er als Kompensationsraum des Realen dient.

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Der Mensch irrt umher. „Er rennt und rast, taumelt und tanzt durch Gänge, Tunnels, Keller, Höhlen, Kreuzwege, Abgründe, Blitze und Donner“. Er sucht „nicht nur eine andere Art die Welt zu betrachten, sondern auch eine andere Art mich ihr gegenüber zu situieren“ schreibt Foucault in „Der Aridnefaden ist gerissen“. Die Frage ist wie der Raum, die Welt in der ich mich bewege rekonstruiert werden kann? Rekonstruiere ich das Labyrinth anhand des Fadens oder rekonstruiere ich den Faden durch das Labyrinth?

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Heterotopie als Nichtlinearität ist die Rekonstruktion über den Faden der jederzeit reißen kann. Denn „Ariadne war es müde, auf Theseus Wiederkehr aus dem Labyrinth zu warten, auf seinen monotonen Schritt zu lauern und sein Gesicht unter all den flüchtigen Schatten wieder zuerkennen. Ariadne hat sich erhängt. An der aus Identität, Erinnerung und Wiederkehr verliebt geflochtenen Schnur dreht sich ihr Körper nachdenklich um sich selbst“.

Heterotopie // 8. Karte

Der heterotope Zirkel ist geschlossen. Die Collage als Heterotopie ermöglicht es die vorhersehbaren Pfade als Betrachter_innen in den realen Orten zu verlassen und die Illusionen des Realen zu spiegeln. Durch das psychogeographische Umherschweifen in der Heterotopie können verschiedene thematische Karten der Befindlichkeit angelegt werden, welche die eigene Wirklichkeit zerlegen, entwerten, entäußern. Die Heterotopie ermöglicht es auch zu überlegen, wie das psychogeographische Relief des inneren und des äußeren Raumes verläuft. Hierbei wird deren alltägliche Funktion und Ordnung außer Kraft gesetzt. Labore, Operations- und Hörsäle, Fernsehstudios, Restaurants oder Drogerien erlangen so eine andere Realität. Heterotopes Denken macht Gegenorte sichtbar. Es schafft einen alternativen Ort im Alltagsverstand, weil sich dem Alltagsverstand die Bedeutung des Alltäglichen, des „Normalen“ oftmals verstellt. „Das Schiff, das ist die Heterotopie schlechthin. In den Zivilisationen ohne Schiff versiegen die Träume, die Spionage ersetzt das Abenteuer und die Polizei die Freibeuter.“ M. Foucault

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Setzt die Segel auf Euren Särgen!

Heterotopie // 7. Karte

„Die Sinne sind vom Begriffsapparat je schon bestimmt, bevor die Wahrnehmung erfolgt, der Bürger sieht […] die Welt als den Stoff, aus dem er sie sich herstellt.“ Horkheimer/Adorno

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Heterotopie // 6. Karte

„…die Kritik einer Gesellschaft und deren Definitions- und Zuordnungssysteme ist in ihren Prämissen immer geprägt von der Gesellschaft, ihren Wahrheiten und ideologisch besetzten Begrifflichkeiten, sowohl was ihre Anerkennung als auch Ablehnung angeht, da selbst die Ablehnung noch in Beziehung zum Abgelehnten steht. […] Das Alltagsdenken hinterfragt nicht die Begriffe, Differenzen, Widersprüchlichkeiten und Wahrheiten, sondern übernimmt sie, um sich zu versöhnen.“

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Heterotopie // 5. Karte

Abweichungsheterotopie. Es wird heute wieder argumentiert, …“dass für Geistesschwache, Hilfsschüler, Geisteskranke und Asoziale jährlich Millionen Werte verbraucht werden…die in keinem Verhältnis mehr zu der trostlosen Lage derjenigen steht, die diese Mittel durch Arbeit aufbringen müssen.“ aus dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933

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Heterotopie // 4. Karte

Krieg als Heterotopie? Der Krieg gegen Terror, der Krieg gegen Drogen, der Krieg gegen das Böse. Die Kriegsschauplätze und Schlachtfelder sind an anderen Orten. Google Street View ist für diese Orte nicht „available“. Hier ist nur das Echo der Kriegsschauplätze verfügbar: billige Waren, innere Sicherheit oder die Erzählungen des „großen Anderen“, denn der große Andere ist der Ort, an dem das Ich, das spricht, sich konstituiert, wie Lacan schreibt.

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Heterotopie // 3. Karte

„Der Raum, in dem wir leben, durch den wir aus uns herausgezogen werden, in dem sich die Erosion unseres Lebens, unserer Zeit und unserer Geschichte abspielt, dieser Raum, der uns zernagt und auswäscht, ist selber auch ein heterogener Raum. […] Krisenheterotopien verschwinden heute und sie werden, glaube ich, durch Abweichungsheterotopien abgelöst. In sie steckt man die Individuen, deren Verhalten abweichend ist im Verhältnis zur Norm.“ M. Foucault

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Heterotopie // 2. Karte

Im heterotopischen Raum treffen ungleichzeitig stattfindende aber gleichzeitig vermittelte Dimensionen aufeinander. Für Foucault besteht die Heteropie darin, entwerder einen Illusionsraum zu schaffen, der den gesamten Realraum, alle Plazierungen, in die das menschliche Leben eingesperrt ist, als noch illusorischer zu denunzieren oder einen Raum zu schaffen, der so vollkommen, so sorgfältig, so wohlgeordnet ist, dass er als Kompensationsraum des Realen dient.

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Heterotopie // 1. Karte

„unsere einfach wunderbare insel der ausbeutenden oberasse wird eines tages ertrinken aus keineswegs unbekannten gründen“. birger sellin

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Heterotopie

Eine Heterotopie ist ein Ort der sich nicht an seinem üblichen Platz befindet. Dieser Ort oder Raum kann irreal, unwirklich sein, zu einer anderen Zeit stattfinden, eine Täuschung des Realen sein. Er zeigt den Horror gesellschaftlicher Zustände. Er kann aber auch eine Wunschvorstellung sein oder einen Raum darstellen der virtuell ist, der körperlich nicht zugängig ist. Dieser Raum hat andere Zugänge, Koordinaten und Dimensionen. Die Heterotopie ist ein Labyrinth der Metonymien. Foucault beschreibt Heterotopien als „wirkliche Orte, wirksame Orte, die in die Einrichtung der Gesellschaft hineingezeichnet sind, sozusagen Gegenplatzierungen oder Widerlager, tatsächlich realisierte Utopien, in denen die wirklichen Plätze innerhalb der Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und gewendet sind, gewissermaßen Orte außerhalb aller Orte, wiewohl sie tatsächlich geortet werden können“. Foucault meint die Einschließungsmilieus. Das heißt, die Psychiatrien, Gefängnisse, die Schulen und Fabriken, die Einfamilienhäuser oder Wohngemeinschaften in denen eigene Kontrollmechanismen und Bestrafungsrituale vorherrschen oder das „richtige“ Wissen abgefragt wird. Die Heterotopie erschafft eine andere Wirklichkeit in dem die Täuschung des Realen simuliert wird und dadurch das Reale gleichzeitig noch irrealer erscheint.